ANALYSE: FLUGHAFEN UND REGION

63,2 Millionen Passagiere sind noch keine Standortstrategie

Verkehr ist eine Voraussetzung für den Standort. Er ist noch kein Beleg für seine Zukunftsfähigkeit.

Leerer Flughafen-Servicekorridor mit Gepäckfördertechnik-Detail.
Verkehr ist Voraussetzung, noch kein Beleg für Zukunftsfähigkeit.

63.189.666 Passagiere hat der Frankfurter Flughafen im Gesamtjahr 2025 gezählt. Nach Unternehmensangaben der Fraport AG sind das rund 63,2 Millionen und damit 2,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor, als 61.564.957 Reisende gezählt wurden. Die Meldung klingt nach einer guten Nachricht für die Region. Sie ist zunächst eine Information über den Verkehr. Ob sie etwas über die Zukunftsfähigkeit des Standorts sagt, ist eine andere Frage.

Verkehr ist eine Voraussetzung, kein Versprechen

Der Flughafen ist die wichtigste Verkehrsdrehscheibe der Region und Teil ihrer Grundausstattung. Firmen aus Frankfurt, aus dem Hochtaunus und dem Main-Taunus-Kreis begründen ihre Standortwahl mit der erreichbaren Flugverbindung. Internationale Konzerne siedeln ihre Europa-Zentralen dort an, wo Lieferketten und Dienstleister an ein großes Drehkreuz angeschlossen sind. Insofern ist die Passagierzahl ein brauchbarer Indikator dafür, wie gut dieser Anschluss funktioniert. Sie misst die Anbindung.

Die Reihe der vergangenen Jahre zeigt, wie schnell dieser Anschluss schwanken kann:

JahrPassagiere (Frankfurt Airport)
201970.560.987
202018.770.998
202124.814.921
202248.923.474
202359.359.539
202461.564.957
202563.189.666
1. Halbjahr 202628.898.490

Quelle: Fraport AG, Verkehrszahlen.

2025 liegt rund zehn Prozent unter dem Vorkrisenwert von 70.560.987 im Jahr 2019. Der Luftverkehr ist nicht einfach auf das alte Niveau zurückgekehrt. Er ist auf einem Wachstumspfad, der dieses Niveau noch nicht wieder erreicht hat. Auch das Halbjahr 2026 mit 28.898.490 Passagieren deutet keinen Sprung an.

Der Rückstand gegenüber 2019 verändert auch das Profil des Verkehrs. Nach Unternehmensangaben der Fraport AG bediente der Flughafen 2025 wieder 301 Ziele in 96 Ländern, betrieben von 94 Airlines. Das Streckennetz ist also nahezu wiederhergestellt. Es transportiert aber weniger Menschen als vor der Krise, weil einzelne Strecken seltener und andere weniger stark frequentiert werden. Die Auslastung ist gestiegen, das Volumen nicht. Ein Standort, der auf ein großes Drehkreuz baut, muss solche Verschiebungen unterscheiden: Das Netz ist da, das alte Verkehrsaufkommen nicht.

Was die Zahl nicht zeigt

Die Zahl sagt nichts darüber aus, wie viele Menschen in der Region vom Flughafen leben. Die Beschäftigung der Flughafengesellschaft und der angesiedelten Betriebe ist ein eigener Wert, der sich nicht aus der Passagierstatistik ableiten lässt. Die Zahl sagt auch nichts über die Qualität der Arbeitsplätze, über Löhne oder darüber, ob der Flughafen der Region mehr Wert schafft, als er an Fläche, Lärm und Emissionen kostet.

Die Passagierzahl verrät vor allem nichts über die Verteilung des Nutzens. Ein großer Teil des Verkehrs, den ein Drehkreuz erzeugt, landet nicht in Frankfurt, sondern im Umland, in anderen Regionen, in anderen Ländern. Die Fracht wird nicht in der Region konsumiert, sondern weitertransportiert. Der Passagier, der auf dem Weg nach Peking in Frankfurt umsteigt, hinterlässt eine Landung, aber keine Übernachtung, keinen Besuch im Museumsufer, keine Rechnung im Restaurant. Die Zahl zählt diese Vorgänge alle gleich.

Auch die Umweltkosten erscheinen in der Statistik nicht. Ein voller Flughafen bedeutet gleichzeitig mehr Lärm, mehr Stickoxide und mehr Flugbewegungen über dicht besiedelten Gebieten. Die 460.272 Starts und Landungen im Jahr 2025 sind aus Sicht der Anwohner keine Kennzahl, sondern ein Alltag. Wer den Flughafen als Standortfaktor bilanziert, muss diese Seite mitrechnen, und die Passagierstatistik hilft dabei nicht.

Bemerkenswert ist der Sitzladefaktor. Nach Unternehmensangaben lag die Auslastung 2025 bei 80,7 Prozent, 2019 bei 79,3 Prozent. Die Maschinen fliegen also voller als vor der Krise, bei weniger Flügen insgesamt. Wer nur auf die Auslastung schaut, sieht eine gesunde Entwicklung. Wer auf die Flugbewegungen schaut, sieht 460.272 Starts und Landungen im Jahr 2025 gegen 513.912 im Jahr 2019. Der Verkehr ist dichter auf weniger Bewegungen konzentriert. Auch das ist ein Befund über die Anbindung, nicht über den Standort.

Cargo folgt einer eigenen Logik. 2025 wurden 2.071.665 Tonnen Luftfracht und Luftpost inklusive Transit umgeschlagen, ein Plus von 1,1 Prozent. 2019 waren es 2.128.476 Tonnen. Fracht hat mit Freizeit- und Geschäftsreisen wenig zu tun und hängt stärker an der globalen Industriekonjunktur. Auch hier gilt: Der Wert beschreibt den Austausch, nicht die regionale Wertschöpfung.

Auf der Durchreise, nicht zu Besuch

Der Transferanteil liegt nach Unternehmensangaben bei 48,7 Prozent. Gut die Hälfte aller Passagiere steigt in Frankfurt nur um. Diese Reisenden landen, wechseln das Flugzeug und fliegen weiter. Sie kaufen in den Shops des Terminals, übernachten selten in Frankfurt und geben ihr Geld nicht in der Stadt aus, wenn sie nach wenigen Stunden weiterreisen.

Umsteigeverkehr ist ein anderes Geschäft als Quell- und Zielverkehr. Umsteiger garantieren Auslastung und Frequenzen, die Verbindungen überhaupt erst wirtschaftlich machen. Sie tragen aber kaum zum Einzelhandel, zur Hotellerie oder zur Gastronomie der Region bei. Wer den Flughafen als Wirtschaftsfaktor für Frankfurt bewertet, muss diese beiden Ebenen auseinanderhalten. Der Anteil der Privatreisen ist 2025 auf 76 Prozent gestiegen, 2019 waren es 64,6 Prozent. Freizeitverkehr ersetzt teilweise den Geschäftsverkehr. Ob das für den Standort ein Gewinn ist, beantwortet die Verkehrsstatistik nicht.

Gerade dieser Wechsel zur Freizeitnachfrage ist heikel. Privatreisende buchen empfindlicher auf den Preis, verschieben Reisen und meiden bei Unsicherheit die lange Anfahrt. Geschäftsverkehr ist planbarer und bringt höhere Umsätze an Bord und an den Gates. Ein Drehkreuz, das stärker auf private Nachfrage angewiesen ist, reagiert empfindlicher auf Konjunktur- und Preisschwankungen. Die Struktur des Verkehrs ist damit verletzlicher als die Gesamtzahl vermuten lässt.

Ein Element neben anderen

Der Flughafen ist ein Standortfaktor. Er ist nicht der Standortfaktor. Die Region trägt sich durch ihre Beschäftigung, ihre Unternehmen, ihre Kaufkraft und ihre Infrastruktur. Der Frankfurter Arbeitsmarkt zeigt derzeit ein gemischtes Bild. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Februar 2026 in Frankfurt 647.390 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, die Arbeitslosenquote lag im August 2026 bei 7,2 Prozent. Das ist eine andere Messgröße als die Flugpassagiere, und sie erzählt eine eigene Geschichte.

Die Genauigkeit der Flughafenzahlen ist dabei nicht unumstritten. Die Zeitreihe stammt aus Fraports eigener Luftverkehrsstatistik. Eine unabhängige Bestätigung durch den Flughafenverband ADV oder Eurostat lag zum Zeitpunkt der Recherche nicht vor. Zudem sind Teilbereiche der öffentlichen Faktenseite veraltet und mischen Jahrgänge; der Passagierblock gilt als der verlässlichste aktuelle Stand.1

Die zentrale Frage für eine Standortstrategie lautet nicht, wie viele Menschen durch den Flughafen kommen. Sie lautet, was der Flughafen der Region tatsächlich bringt, die Verbindung in beide Richtungen, die Beschäftigung und die Wertschöpfung gegen die Kosten von Fläche, Lärm und Emissionen. 63,2 Millionen Passagiere sind ein starkes Argument für die Anbindung. Ob sie ein Argument für die Zukunft der Region sind, lässt sich mit dieser Zahl allein nicht beantworten.

Footnotes

  1. Die Zahlen stammen aus Fraports eigener Luftverkehrsstatistik und sind unternehmensberichtet. Eine unabhängige Primärquelle (ADV oder Eurostat) wurde nicht abgefragt. Einzelne Blöcke der Faktenseite tragen ältere Redaktionsstände, der Passagierblock wurde am 10. August 2026 aktualisiert.

DATENSTÜCK

Passagieraufkommen am Flughafen Frankfurt, 2019 bis 2025

Das Aufkommen erreicht 2025 rund 89 Prozent des Niveaus von 2019. Der Einbruch von 2020 bleibt die tiefste Zäsur der Reihe, das Wachstum seither ist stetig, aber langsamer geworden.

Liniendiagramm: Passagieraufkommen Frankfurt Airport. 2019: 70,6 Millionen, 2020: 18,8, 2021: 24,8, 2022: 48,9, 2023: 59,4, 2024: 61,6, 2025: 63,2 Millionen. 12,6 25,4 38,2 51,1 63,9 76,8 2019: 70,6 Mio. Passagiere 2019 70,6 2020: 18,8 Mio. Passagiere 2020 18,8 2021: 24,8 Mio. Passagiere 2021 24,8 2022: 48,9 Mio. Passagiere 2022 48,9 2023: 59,4 Mio. Passagiere 2023 59,4 2024: 61,6 Mio. Passagiere 2024 61,6 2025: 63,2 Mio. Passagiere 2025 63,2
Passagiere am Flughafen Frankfurt (Frankfurt Airport), Jahreswerte
JahrPassagiereVeränderung
201970.560.987
202018.770.998-73,4 %
202124.814.921+32,2 %
202248.923.474+97,2 %
202359.359.539+21,3 %
202461.564.957+3,7 %
202563.189.666+2,6 %
Quelle: Fraport AG, Luftverkehrsstatistik (Unternehmensangaben) · Zeitraum: 2019 bis 2025 · Einheit: Mio. Passagiere Methodik und Grenzen der Zahlen

Quellen und Methodik

  1. 01 Fraport AG , Facts and Figures , Passengers-Block (Seite aktualisiert am 10.08.2026) , 2025 , Flughafen Frankfurt am Main , veröffentlicht 2026-08-10 , abgerufen 2026-08-28
  2. 02 Fraport AG , Traffic Figures (Grundwerte) , Verkehrszahlen-Datei, Jahreswerte 2019-2025, Halbjahr 2026 , 2019-2025, H1 2026 , Flughafen Frankfurt am Main , veröffentlicht 2026-08 , abgerufen 2026-08-28
  3. 03 Fraport AG , Verkehrszahlen und Jahresergebnis 2025 , Pressemeldung vom 16.01.2026 , 2025 , Flughafen Frankfurt am Main , veröffentlicht 2026-01-16 , abgerufen 2026-08-28
  4. 04 Bundesagentur für Arbeit , Beschäftigungsstatistik, Aktuelle Eckwerte , EckwerteTabelleBST, Datenstand August 2026 , Februar 2026, Juni 2025 , Stadt Frankfurt am Main , veröffentlicht 2026-08 , abgerufen 2026-08-28
  5. 05 Bundesagentur für Arbeit , Arbeitslosigkeit, Aktuelle Eckwerte Frankfurt am Main , EckwerteTabelleALOKr, Datenstand August 2026 , August 2026 , Stadt Frankfurt am Main , veröffentlicht 2026-08 , abgerufen 2026-08-28