DATENSTÜCK: WOHNUNGSBAU · DATENSTÜCK

Bauen unter Druck

Ein Bauprojekt wird an vielen Stellen langsam. Die Daten zeigen, an welcher.

Krangeometrie vor ruhigem grauem Himmel, ohne Stadtbild oder Beschriftung.
Bauen ist Projektierung, Genehmigung und Zeit.

Die Frage

Wie spielen Genehmigungen, Fertigstellungen, Zinsen und Stimmung im hessischen und Frankfurter Wohnungsbau zusammen?

Die kurze Antwort

Genehmigungen in Hessen legen 2025 deutlich zu (+21,8 %), Fertigstellungen fallen (-13,5 %). Die Zinsen steigen seit Juni 2026 wieder, die Stimmung im Bau sinkt: Der IHK-Klimaindex für Bau/Immobilien fällt von 102 auf 91.

Bauen unter Druck

Ein Bauprojekt ist eine lange Kette: Grundstück, Planung, Genehmigung, Finanzierung, Bau, Fertigstellung. Jedes Glied hat sein eigenes Tempo, und die wichtigsten Zahlen entstehen an ganz unterschiedlichen Stellen. Wer fragt, ob der Wohnungsbau stockt oder läuft, bekommt je nach Quelle eine andere Antwort. Die Daten, die vorliegen, zeigen nicht eine, sondern mehrere Geschwindigkeiten.

Was die Zahlen sagen

Drei Blickwinkel lassen sich mit den verfügbaren Daten unterscheiden.

Erstens Hessen: Genehmigungen steigen, Fertigstellungen fallen. Nach Angaben des Hessischen Statistischen Landesamts wurden 2025 in Hessen 16.772 Wohnungen genehmigt, 21,8 Prozent mehr als im Vorjahr; davon entfielen 12.752 auf den Neubau von Wohngebäuden, ein Plus von 16,5 Prozent.1 Gleichzeitig wurden nur 15.542 Wohnungen fertiggestellt, 13,5 Prozent weniger als 2024 mit 17.977.2 Genehmigungen und Fertigstellungen laufen also in entgegengesetzte Richtungen.

Diese beiden Zahlen sind nicht widersprüchlich, sondern zeitversetzt. Eine Genehmigung ist der Beginn, die Fertigstellung das Ende eines Prozesses, der mehrere Jahre dauern kann. Dass die Genehmigungen 2025 deutlich zulegen, bedeutet nicht, dass 2025 entsprechend viel gebaut wurde. Es bedeutet, dass der Nachschub an geplanten Projekten wächst, während die Zahl der abgeschlossenen Wohnungen noch fällt. Die Annäherung sieht man erst später.

Zweitens Frankfurt: ein hoher, aber rückläufiger Zubau. In Frankfurt am Main wurden 2025 3.772 Wohnungen fertiggestellt, davon 3.481 in neu errichteten Gebäuden.2 Der Wert ist beachtlich, aber er bewegt sich nicht nach oben. Für das erste Halbjahr 2026 weist die Frankfurter Rundschau unter Berufung auf Stadtangaben 1.551 genehmigte Wohnungen aus, 8,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.3 Frankfurt bleibt rechnerisch ein Standort mit nennenswertem Wohnungsbau, doch die Genehmigungen, der früheste Indikator der Kette, gehen zurück.

Drittens Zinsen und Kredit: Wieder oben, wieder enger. Der Preis des Bauens wird von der Europäischen Zentralbank mitbestimmt. Der Einlagensatz lag bis Juni 2026 bei 2,00 Prozent und wurde mit Wirkung zum 17. Juni 2026 auf 2,25 Prozent angehoben; die Hauptrefinanzierungsgeschäfte stehen bei 2,40 Prozent, die Spitzenrefinanzierungsfazilität bei 2,65 Prozent.4 Damit ist die Zinssenkung seit dem Sommer 2026 beendet, die Finanzierung wieder teurer als zuvor.

Parallel berichten Unternehmen von engeren Kreditbedingungen. Im Bank Lending Survey des zweiten Quartals 2026 melden Eurogebiet-Banken eine moderate weitere Verschärfung der Kreditstandards für Kredite an Unternehmen, mit einem Nettoanteil von 7 Prozent.5 Im Survey on the Access to Finance of Enterprises geben netto 42 Prozent der Unternehmen an, dass die Zinssätze auf Bankkredite gestiegen sind, deutlich mehr als im Vorquartal (26 Prozent).6 Diese Befragungen sind eurogebiet-weit; für die Region sind sie eine Rahmung, keine Messung.

Dass Stimmung und Zins zusammenwirken, zeigt der Blick in die Konjunktur. Der Geschäftsklimaindex für Bau und Immobilien im IHK-Bezirk Frankfurt am Main fiel im Frühsommer 2026 von 102 auf 91 Punkte, unter die Wachstumsschwelle von 100.7 Die Branche sieht also schlechter aus, als sie im Jahr zuvor aussah.

Wo die Zahlen enden

Die Daten erklären viel, aber sie lassen eine zentrale Lücke: Zwischen Genehmigung und Fertigstellung klafft eine Strecke, die kein veröffentlichter Wert abbildet. Die Zahl der genehmigten Wohnungen sagt nichts darüber, wie viele Projekte wirklich umgesetzt werden. Sie misst die Planungsentscheidung, nicht das Ergebnis. Genau dort aber liegt der Engpass, wenn Projekte an Kosten, Zinsen oder der Wirtschaftlichkeit scheitern, bevor der erste Stein gesetzt wird.

Hinzu kommt, dass die Werte unterschiedlich definiert sind. Die Fertigstellungszahlen umfassen alle Baumaßnahmen, also auch Umbauten an bestehenden Gebäuden, nicht nur den Neubau. Der Frankfurter Gesamtwert von 3.772 Wohnungen schließt Baumaßnahmen außerhalb von Neubaugebäuden ein, während der Neubauwert von 3.481 enger gefasst ist. Wer diese beiden Zahlen vergleicht, muss wissen, was jeweils gemessen wird.

Und schließlich ist kein Wert für die Region belastbar. Die EZB-Daten beziehen sich auf das Eurogebiet, nicht auf Hessen oder Frankfurt. Den Effekt auf die Region zu bestimmen, wäre eine Schlussfolgerung, kein Messergebnis. Genehmigungen und Fertigstellungen sind zudem vorläufige Werte, die nachträglich korrigiert werden können.

Offene Frage

Die entscheidende Frage lautet, was in den nächsten Jahren aus den Genehmigungen wird. Wenn die 2025 gestiegenen Genehmigungen tatsächlich in Fertigstellungen münden, würde der Rückgang der letzten Jahre allmählich gestoppt. Wenn dagegen ein Teil der Projekte an der Finanzierung und an der Stimmung scheitert, bliebe die Lücke zwischen Planung und Ergebnis bestehen, trotz guter Genehmigungszahlen.

Die Datenlage erlaubt dazu keine Prognose. Sie zeigt aber, worauf zu achten ist: auf die Strecke zwischen Genehmigung und Fertigstellung. Sie ist es, die darüber entscheidet, ob Bauen unter Druck bleibt, oder ob die Planung irgendwann im Gebäude ankommt.

Footnotes

  1. Hessisches Statistisches Landesamt, Baugenehmigungen in Hessen im Jahr 2025, veröffentlicht am 24. Februar 2026. Genehmigte Wohnungen insgesamt 16.772 (plus 21,8 Prozent), Neubau von Wohngebäuden 12.752 (plus 16,5 Prozent).

  2. Hessisches Statistisches Landesamt, Baufertigstellungen in Hessen im Jahr 2025, veröffentlicht am 22. Mai 2026. Fertiggestellte Wohnungen Hessen 15.542 (minus 13,5 Prozent), 2024: 17.977; Frankfurt am Main 3.772, davon Neubau 3.481. Alle Baumaßnahmen. 2

  3. Frankfurter Rundschau, 27. August 2026: Rückgang bei Baugenehmigungen in Frankfurt, laut Stadtangaben. Genehmigte Wohnungen im ersten Halbjahr 2026: 1.551, minus 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Sekundärquelle, hier nicht unabhängig geprüft.

  4. Europäische Zentralbank, Key ECB interest rates und Monetary policy decisions 2026. Einlagefazilität 2,25 Prozent, Hauptrefinanzierungsgeschäfte 2,40 Prozent, Spitzenrefinanzierungsfazilität 2,65 Prozent, mit Wirkung vom 17. Juni 2026; bis dahin Einlagensatz 2,00 Prozent.

  5. Europäische Zentralbank, The euro area bank lending survey, zweites Quartal 2026, veröffentlicht am 21. Juli 2026. Netto 7 Prozent der Banken melden eine moderate Verschärfung der Kreditstandards für Kredite an Unternehmen (Vorquartal 10 Prozent).

  6. Europäische Zentralbank, Survey on the Access to Finance of Enterprises (SAFE), zweites Quartal 2026, veröffentlicht am 20. Juli 2026. Netto 42 Prozent der Unternehmen berichten gestiegene Zinssätze auf Bankkredite (Vorquartal 26 Prozent).

  7. IHK Frankfurt am Main, Konjunktur im IHK-Bezirk Frankfurt am Main, Frühsommer 2026. Geschäftsklimaindex Bau und Immobilien 91 Punkte nach 102 in der Vorumfrage; Wachstumsschwelle liegt bei 100.

DATENSTÜCK

Der Zinspfad 2026: Fünf Termine, eine Anhebung

Der EZB-Einlagensatz liegt seit dem 17. Juni 2026 bei 2,25 %. Die Hälfte des Jahres blieb er unverändert.

Der Zinspfad 2026: Fünf Termine, eine Anhebung. Der EZB-Einlagensatz liegt seit dem 17. Juni 2026 bei 2,25 %. Die Hälfte des Jahres blieb er unverändert. 1,9 2 2,1 2,2 2,3 2,4 05.02.2026: 2 % 05.02.2026 2 19.03.2026: 2 % 19.03.2026 2 30.04.2026: 2 % 30.04.2026 2 11.06.2026: 2,3 % 11.06.2026 2,3 23.07.2026: 2,3 % 23.07.2026 2,3
Der Zinspfad 2026: Fünf Termine, eine Anhebung: Datentabelle
ZeitraumWert
05.02.20262
19.03.20262
30.04.20262
11.06.20262,25
23.07.20262,25
Quelle: Europäische Zentralbank, Key ECB interest rates; Europäische Zentralbank, The euro area bank lending survey; Europäische Zentralbank, Survey on the Access to Finance of Enterprises (SAFE); Hessisches Statistisches Landesamt, Baugenehmigungen in Hessen im Jahr 2025; Hessisches Statistisches Landesamt, Baufertigstellungen in Hessen im Jahr 2025; IHK Frankfurt am Main, Konjunktur im IHK-Bezirk Frankfurt am Main; Frankfurter Rundschau, Baugenehmigungen in Frankfurt am Main, erstes Halbjahr 2026 · Zeitraum: Stand 28.08.2026 (Entscheidungen: 5. Feb, 19. Mrz, 30. Apr, 11. Jun, 23. Jul 2026); Q2 2026, veröffentlicht am 21. Juli 2026; Q2 2026, veröffentlicht am 20. Juli 2026; Jahr 2025; Jahr 2025; Frühsommer 2026, Erhebung 21.04. bis 08.05.2026; 1. Halbjahr 2026, veröffentlicht am 27.08.2026 · Einheit: % Methodik und Grenzen der Zahlen

Methodik und Grenzen der Zahlen

Es wird kein zusammengesetzter Index gebildet. Genehmigungen und Fertigstellungen werden getrennt ausgewiesen, weil zwischen ihnen Zeit liegt: Eine Genehmigung wird typischerweise Jahre vor der Fertigstellung erteilt. Der IHK-Index ist ein Stimmungsmaß, dessen Schwelle bei 100 liegt und das nicht quantifiziert, wie viel gebaut wird. Die Daten der Europäischen Zentralbank beziehen sich auf das Eurogebiet; ein direkter regionaler Effekt ist daher eine Schlussfolgerung und kein Messwert für die Region. Der Frankfurter Baugenehmigungswert für das erste Halbjahr 2026 stammt aus einer Sekundärquelle (laut Stadtangaben, zitiert nach der Frankfurter Rundschau) und wurde hier nicht unabhängig geprüft. Fertigstellungs- und Genehmigungswerte sind vorläufig; jährliche Korrekturen sind üblich.

Quellen

  1. Europäische Zentralbank: Leitzinsen und Politikentscheidungen 2026 , Key ECB interest rates , Europäische Zentralbank , Zeitraum Stand 28.08.2026 (Entscheidungen: 5. Feb, 19. Mrz, 30. Apr, 11. Jun, 23. Jul 2026) , Gebiet Eurogebiet , Lizenz: Angaben zum Lizenzstatus siehe Quellen- und Methodikabschnitt , abgerufen 28. August 2026

    Definition: Einlagefazilität, Hauptrefinanzierungsgeschäfte und Spitzenrefinanzierungsfazilität; Einlagensatz 2,25 Prozent mit Wirkung vom 17.06.2026.

    Grenzen: Geldpolitische Sätze. Für den Wohnungsbau relevant über Finanzierungskosten, nicht über die regionale Bauhöhe.

  2. Europäische Zentralbank: Bank Lending Survey Q2 2026 , The euro area bank lending survey , Europäische Zentralbank , Zeitraum Q2 2026, veröffentlicht am 21. Juli 2026 , Gebiet Eurogebiet , Lizenz: Angaben zum Lizenzstatus siehe Quellen- und Methodikabschnitt , abgerufen 28. August 2026

    Definition: Moderate weitere Verschärfung der Kreditstandards für Kredite an Unternehmen (Netto 7 Prozent).

    Grenzen: Eurogebiet-weite Befragung. Ein regionaler Effekt ist eine Schlussfolgerung, kein Messwert für Hessen oder Frankfurt.

  3. Europäische Zentralbank: SAFE Q2 2026 , Survey on the Access to Finance of Enterprises (SAFE) , Europäische Zentralbank , Zeitraum Q2 2026, veröffentlicht am 20. Juli 2026 , Gebiet Eurogebiet , Lizenz: Angaben zum Lizenzstatus siehe Quellen- und Methodikabschnitt , abgerufen 28. August 2026

    Definition: Netto 42 Prozent der Unternehmen berichten eine Erhöhung der Zinssätze auf Bankkredite (Vorquartal 26 Prozent).

    Grenzen: Unternehmensbefragung, eurogebiet-weit; keine Untergliederung für die Region.

  4. Hessisches Statistisches Landesamt: Baugenehmigungen 2025 , Baugenehmigungen in Hessen im Jahr 2025 , Hessisches Statistisches Landesamt , Zeitraum Jahr 2025 , Gebiet Hessen , Lizenz: Angaben zum Lizenzstatus siehe Quellen- und Methodikabschnitt , abgerufen 28. August 2026

    Definition: 16.772 genehmigte Wohnungen (plus 21,8 Prozent), davon 12.752 im Neubau von Wohngebäuden (plus 16,5 Prozent).

    Grenzen: Alle Baumaßnahmen und Nutzungsarten. Genehmigung und Fertigstellung liegen zeitlich auseinander. Vorläufige Werte.

  5. Hessisches Statistisches Landesamt: Baufertigstellungen 2025 , Baufertigstellungen in Hessen im Jahr 2025 , Hessisches Statistisches Landesamt , Zeitraum Jahr 2025 , Gebiet Hessen , Lizenz: Angaben zum Lizenzstatus siehe Quellen- und Methodikabschnitt , abgerufen 28. August 2026

    Definition: 15.542 fertiggestellte Wohnungen (minus 13,5 Prozent), Frankfurt am Main 3.772, davon 3.481 im Neubau.

    Grenzen: Alle Baumaßnahmen. Vorläufige Werte; amtliche und städtische Zahlen weichen voneinander ab.

  6. IHK Frankfurt am Main: Konjunktur Frühsommer 2026 , Konjunktur im IHK-Bezirk Frankfurt am Main , IHK Frankfurt am Main , Zeitraum Frühsommer 2026, Erhebung 21.04. bis 08.05.2026 , Gebiet IHK-Bezirk Frankfurt am Main (Stadt Frankfurt, Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis) , Lizenz: Angaben zum Lizenzstatus siehe Quellen- und Methodikabschnitt , abgerufen 28. August 2026

    Definition: Geschäftsklimaindex Bau und Immobilien 91 Punkte nach 102; Schwelle für positive Stimmung liegt bei 100.

    Grenzen: Stimmungsmaß, kein Produktionswert; bezieht sich nicht auf die Metropolregion, sondern auf den IHK-Bezirk.

  7. Frankfurter Rundschau, 27. August 2026 , Baugenehmigungen in Frankfurt am Main, erstes Halbjahr 2026 , Frankfurter Rundschau , Zeitraum 1. Halbjahr 2026, veröffentlicht am 27.08.2026 , Gebiet Frankfurt am Main , Lizenz: Angaben zum Lizenzstatus siehe Quellen- und Methodikabschnitt , abgerufen 28. August 2026

    Definition: 1.551 genehmigte Wohnungen, minus 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

    Grenzen: Sekundärquelle; Laut Stadtangaben, zitiert nach Frankfurter Rundschau. Keine unabhängige Primärprüfung des Werts.